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Meine erste Bierdegustation

Am 5. April 2016 war es soweit, ich habe mit 6 Arbeitskollegen am Feierabend meine erste Bierverkostung durchgeführt. Folgende Biere haben wir degustiert:

Marke Bezeichnung Stil Stammwürze Alkoholgehalt
Schlappe Seppl Kellerbier naturtrüb Kellerbier 12,0 °P 5,5 %
Doppelleu Chopfab Hell Blonde   5,0 %
Chang Lager Lager    
Valaisanne Pale Ale Pale Ale 12,8 °P 5,2 %
Müller Bräu Pale Ale Pale Ale 13,2–13,6 °Plato 5,9 %
Burgdorfer Aemme Festbier 12,8 °P 5,3 %
Brewdog Libertine Black Ale Black IPA 17,0 °P 7,2 %

Verschiedene Flaschen stehen bereit zur Verkostung

Also, da will ich euch doch mal von meinen Erfahrungen meiner ersten Bierverkostung erzählen…

Das Ganze entstand, weil drei meiner Arbeitskollegen von meinem unbändigen Durst nach Bierwissen wussten (und überdies auch immer fleissige Bierdosenlieferanten für meine Sammlung sind). Einer weiterer hörte davon und kam noch dazu, so waren es vier. Wie sich so langsam die Idee eines bierigen Abends herauskristallisierte, kam nochmals einer dazu, der auch schon wusste, welches Bier er mitbringen würde. Und ein relativ neuer Mitarbeiter offenbarte sich an einem internen Apéro als grosser Bierkenner, also mit ins Boot. Somit waren wir die glorreichen Sieben :o).

Ich bat alle, mir bis zu einem Datum ihr bevorzugtes Bier mitzuteilen, das sie dann an die Verkostung mitnehmen wollten. Nicht ganz fristgerecht sind die Marken eingetrudelt und ich habe mit bestem Wissen eine Reihenfolge von leicht und hell bis schwer und dunkel gemacht.
Und dabei schon wieder was gelernt. Einer wählte das Chopfab Hell. Wie sich durch meine Recherchen herausstellte, war das ein Pale Ale. Ich hatte "Hell" unmissverständlich mit einem blonden (Lager) verknüpft, was wohl nicht so war.

Als Erstes habe ich eine kurze Einführung mit ein paar Slides zur Bierverkostung und dem Unterschied zur Degustation von Wein gemacht. Dazu habe ich auch erläutert, dass man Bier mit allen Sinnen (Auge, Nase, Gaumen) geniesst sowie EBC-Farbwert, Antrunk, Rezenz und Nachtrunk erklärt. Gut gerüstet konnte es nun losgehen.

Angefangen haben wir mit dem Schlappe Seppl Kellerbier. Das kannte ich schon von früher (von meinem Arbeitskollegen), hat sehr gut geschmeckt und alle Teilnehmer waren alsbald ins Glas vertieft und haben Schaum geschaut und Nase gerochen, geschluckt, studiert, bewertet. Der Fragebogen, welchen ich vom Deutschen Brauerbund heruntergeladen und leicht auf Schweizer Verhältnisse modifiziert hatte, war gar nicht so einfach auszufüllen. Das Bierrad und der Bierfächer aus dem Biervana wurden auch zu Hilfe gezogen. Nun, wir haben unsere Ergebnisse der ersten Probe verglichen, konnten doch geschmacklich viele Parallelen feststellen. Einer der Teilnehmer, ein "Viertrinker", erzählte mir später, dass ihn der Fragebogen echt überfordert hatte. Sich so genau über Bier Gedanken zu machen, war ganz schön anstrengend!

Das zweite Bier war dann das Hell von Chopfab. Natürlich hatten wir alle Flaschen schön mit Papier abgedeckt und quasi ins Leere degustiert. Wie ich gelesen hatte, soll man alle Biere im gleichen Stil einschenken (Glas nicht schräg halten), somit ergab sich immer ein prächtiger Anteil Schaum im schönen TEKU Verkostungsglas). Dieses Bier hat im Vergleich ziemlich gut abgeschnitten. Ich habe nach dem Probieren erwähnt, dass die Brauerei Doppelleu richtig gut im Schuss ist. Vor kurzem habe ich bei Xing auch einen Beitrag geteilt, wo ihre Expansionspläne dokumentiert wurden. Dieses Bier war von seiner Art her fast perfekt und hat rundum harmonisch geschmeckt.

Nummer drei war auch für mich fremd. Denn einer der gemeldeten Teilnehmer musste krankheitshalber die Segel streichen und somit hat einer der Gäste kurzerhand seine Tochter mitgebracht (volljährig natürlich :o)). Dieses Bier war leider gar nicht gekühlt, war aber von den beiden bewusst so gehalten. Also trotzdem rein ins Glas und verkosten. Es hat weniger Charakter gezeigt, das haben aber alle der Wärme zugeschrieben und bei einigen Minusgraden mehr hätte dieses Bier sicher etwas besser abgeschnitten. Allerdings hatte es für mich auch eine ausserordentliche Weichheit, was durchaus positiv zu werten ist. Als das Papier weg war, konnten wir Chang Beer aus Thailand lesen. Das war also das am weitest gereiste Bier gewesen.

Jetzt waren zwei sehr ähnliche Schweizer Biere an der Reihe, beide des Braustils Pale Ale. Einmal meines aus dem Wallis (Valaisanne Pale Ale) und dann das lokale Müller Bräu aus Baden (mit dem Zürcher Hafenkran [?] auf der Etikette, was zu einigem Schmunzeln Anlass gab). Schon das Chopfab war ja ein Pale Ale gewesen, somit hatte bereits unsere 1. Verkostung einen enormen Fortgeschrittenencharakter mit drei Bieren des gleichen Stils! Ui, ui, aber kein Problem… Die beiden Biere waren tendenziell auch schon leicht zu warm, vermutlich waren wir einerseits nicht so zügig unterwegs und beim nächsten Mal werde ich auch die bewährte Picknick-Kühlbox in meinem Rücken wissen wollen. Schon beim Einreichen der Biermarken war ich über die Häufung der Pale Ales erstaunt gewesen, allerdings ist das ein Bierstil, welcher im Moment auch in der Schweiz recht trendy ist. Das Valaisanne hat im gleichen Rahmen wie Chopfab reüssiert. Schöne Farbe, guter Geschmack, angenehm im Gaumen, würde anstandslos wieder gekauft. Beim Schaum waren wir alle ein bisserl ratlos, denn auf dem Fragebogen gab es unter anderem die Varianten feinporig und grobporig. Welchen Schaum hatte unser Bier nun? In der Mitte durch das relativ wasserfallartige Einschenken ziemlich blubbig war der Schaum zum Rand hin eher fein. Hhhmmm, was musste man da ankreuzen? Da wäre ein Profi in Form eines Braumeisters oder Biersommeliers an meiner Seite ned schlecht gewesen. Es war aber auch erstaunlich, wie unterschiedlich ein Bierschaum sein kann. Normalerweise beschäftigt man sich mit derlei Charaktereigenschaften beim Biertrinken eher weniger.

Mit Fortschreiten des Abends kamen wir auch auf allerlei lustige Ideen, was die lockere Atmosphäre zusätzlich erheiterte. Zum Beispiel hat einer das schöne Verkostungsglas von der BKL hochgehalten und dann konnte man den Bierschaum von unten sehen. Ein spannender und ungewohnter Blickwinkel!

Müllerbräu (vor allem das Lager) war früher eher ein Bier ohne grosse Eigenschaften. Die Brauerei hat nun aber mit dem "Pale Ale" wie auch dem "1897 Cervisia Helvetica" zwei wirklich gute Pferde im Stall, die man einem Besuch bedenkenlos auftischen kann. Auch in der Bewertung der Etiketten im Retrostil schnitt Müller Bräu sehr gut ab.

Nach den Pale Ales ging es jetzt etwas dunkler weiter. Das "Aemme" von der Berner Brauerei Burgdorf wird als Winterbier angepriesen, malzig, eher schwer. Für mich war es beim Geruch sehr karamelig und hatte dann beim Antrunk eine erdig holzige Note. Ich war überrascht, dass Nase und Gaumen so unterschiedlich empfinden können, denn die Rezenz war sehr säuerlich. Man merkte, dass wir hier nun bei einem Bier angelangt sind, das nicht der gängigen Lager-Einheit entsprach.

Auf das letzte Bier war ich gespannt, es war das Libertine Black Ale von Brewdog aus Schottland. Ein richtig schweres Kaliber mit 17,0 °Plato, nachtschwarz in der Farbe und mit einem grosszügigen Bukett für die Nase ausgestattet. Es war aber schon "hot stuff" und nicht alle mochten das, andererseits entlockte es auch einige Oh's und Ah's. Vielleicht waren unsere Gaumen ob der ungewohnten Vielfalt und Menge in kurzer Zeit verkosteter Biere auch etwas überfordert. Jemand regte an, dass man ein solches Bier eigentlich zu einem Stück Blue Stilton geniessen müsse. Natürlich hatte ich "für nachher" auch Brot, Salami, Schinken und Käse dabei. Das war das Stichwort für die Organisatorin und kurze Zeit später hatte ich das zweite grosse Aha-Erlebnis dieses Abends, als wir den Käse – ein Savogniner Rahmkäse – in die Runde gaben. Welch Unterschied, nach einem Stückchen Käse nochmals einen Schluck zu nehmen. Auch dieses Bier war gewollt ungekühlt, bei dieser Schwere war das wohl ok.

Mann, nun hatten wir also unsere erste Verkostung erfolgreich hinter uns gebracht. Alle haben es als ein ganz tolles Erlebnis empfunden und hier und da wurde schon über ein nächstes Mal gesprochen. An Ideen und Themen hat es auf jeden Fall nicht gemangelt.

Für mich war es mega spannend, wenn ich mich auch selber in der Rolle der Verkostungsleiterin manchmal etwas stark gefordert sah. Aber lehrreich war es auch und es hat sehr viel Spass gemacht, mit guten Kollegen diesen bierseligen Abend zu verbringen.

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